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SGI Espressigo

27.07.2026 2 Min. Lesezeit

Als eine Workstation zur Kaffeemaschine wurde

Es gibt Marketing-Gags, und es gibt die SGI Espressigo. Anfang der 1990er-Jahre steckte Silicon Graphics (SGI) - damals der unangefochtene König der High-End-Grafik-Workstations, bekannt für IRIX, die R3000/R4000-CPUs und Rechner, auf denen Hollywood seine Dinosaurier und Terminatoren rendern ließ - eine ganz gewöhnliche Gaggia-Espressomaschine in das Gehäusedesign der SGI Indigo und verkaufte das Ganze allen Ernstes als eigenes Produkt.

Ein Gehäuse, zwei Welten

Die Indigo war 1991 SGIs kompakte Einstiegs-Workstation: markantes violettes Design, MIPS-Prozessor, gedacht für 3D-Grafik und CAD. Die Espressigo übernahm exakt dieses Gehäusedesign – nur dass darin statt Hauptplatine und Grafikprozessor ein Boiler samt Siebträger steckte. Das Innenleben stammte schlicht von einer handelsüblichen Gaggia-Maschine.

SGI Deutschland gab sich dabei keine halben Sachen: Es gab ein Werbeblatt im Stil der echten Produkt-Datenblätter, komplett mit fiktiven technischen Daten wie einer 50-MHz-„Gaggia-CPU“ (Coffee Processing Unit), einem 30-ml-Primärcache für Kaffee und einem 1,5-Liter-Sekundärcache für Wasser. Verkauft wurde das Gerät für etwa 2000 DM, in jedem Fall Workstation-Preisniveau für eine Espressomaschine.

Warum das heute noch Nerds begeistert

Die Espressigo war kein Verkaufsschlager, sondern ein Give-away bzw. Werbegeschenk für Händler, Partner und gute Kunden. Genau das macht sie heute zur gesuchten Rarität: Sammler und Retro-Computing-Fans bezahlen inzwischen ordentliche Summen für ein Original, und Repliken - etwa aus original Indigo-Gehäusen mit einer Gaggia Classic darin - gelten als aufwendige Bastelprojekte, weil intakte Exemplare kaum noch zu finden sind. In Retro-Museen wie dem Oldenburger Computermuseum steht die Maschine bis heute nicht nur als Exponat herum, sondern versieht dort tatsächlich noch morgens ihren Dienst als Kaffeemaschine.

Das Schöne an der Geschichte: Sie zeigt eine Firmenkultur, die sich selbst nicht zu ernst nahm - obwohl SGI-Hardware in Studios wie ILM stand und Multimillionen-Dollar-Produktionen antrieb, fand jemand in der deutschen Niederlassung Zeit für einen ziemlich guten Insider-Witz mit Fachdatenblatt-Parodie und allem Drum und Dran.

Ich bin vor vielen Jahren an der Uni Mannheim tatsächlich einer Espressigo begegnet:

Der Espresso war spitze!

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