Firewall Filter in Junos – Paketfilterung direkt im Routing-Pfad verstehen
14.08.2026 5 Min. Lesezeit
Einleitung
Wenn Administratoren das Wort „Firewall“ hören, denken die meisten sofort an:
- Perimeter-Firewalls
- Security Appliances
- Stateful Inspection
- Next Generation Firewalls
Im Enterprise-Alltag existiert jedoch eine weitere, oft unterschätzte Form der Zugriffskontrolle:
Firewall Filter in Junos.
Obwohl Firewall Filter deutlich einfacher aufgebaut sind als eine vollwertige Security-Firewall, gehören sie zu den wichtigsten Werkzeugen eines Netzwerkingenieurs.
Sie werden eingesetzt für:
- Zugriffskontrolle
- Management-Schutz
- Traffic-Klassifizierung
- QoS-Markierungen
- Routing-Schutz
- Infrastruktur-Security
Firewall Filter gehören regelmäßig zu den JNCIS-ENT-Prüfungsthemen, weil sie tief mit der Junos-Architektur verknüpft sind.
Wer Routing Policies als „Entscheidungslogik für Routen“ betrachtet, kann Firewall Filter als:
Entscheidungslogik für Pakete
verstehen.
Und genau wie Routing Policies folgen Firewall Filter einer klaren und sehr strukturierten Logik.
Was ist ein Firewall Filter?
Ein Firewall Filter ist eine Regelmenge, die Pakete untersucht und anschließend eine Aktion ausführt.
Vereinfacht:
Paket
↓
Filter
↓
Aktion
Beispiel:
SSH erlaubt
HTTP erlaubt
Telnet blockiert
Der Router analysiert jedes Paket und entscheidet anhand definierter Kriterien.
Firewall Filter sind keine Security Policies
Dies ist eine wichtige JNCIS-Prüfungsfalle.
Viele Kandidaten verwechseln:
Firewall Filter
mit
SRX Security Policies
Firewall Filter:
- stateless
- paketbasiert
- schnell
- einfach
Security Policies:
- stateful
- sessionbasiert
- komplexer
Für die JNCIS-ENT beschäftigen wir uns ausschließlich mit klassischen Junos Firewall Filtern.
Wo werden Firewall Filter eingesetzt?
Firewall Filter können auf Interfaces angewendet werden.
Beispielsweise:
ge-0/0/0
Dabei kann unterschieden werden zwischen:
input
und
output
Input Filter
Ein Input Filter untersucht Pakete:
Paket
↓
Interface
↓
Filter
↓
Router
Die Prüfung erfolgt beim Empfang.
Output Filter
Ein Output Filter untersucht Pakete:
Router
↓
Filter
↓
Interface
↓
Netzwerk
Die Prüfung erfolgt beim Verlassen des Interfaces.
Warum sind Input Filter meist effizienter?
Stellen wir uns einen Angriff vor:
100.000 Pakete/s
Mit einem Input Filter:
Paket
↓
verwerfen
Das Paket wird früh entfernt.
Der Router spart Ressourcen.
Daher gilt in vielen Designs:
Filtern möglichst nahe an der Quelle.
Die Struktur eines Firewall Filters
Der Aufbau erinnert stark an Routing Policies.
Grundstruktur:
filter {
term ...
}
Jeder Filter besteht aus:
Terms
Ein Term enthält:
from
then
Dies sollte bereits vertraut wirken.
Das Match-Prinzip
Der Router prüft:
from
Trifft die Bedingung zu?
Dann erfolgt:
then
also die Aktion.
Beispiel
term ALLOW-SSH {
from {
protocol tcp;
destination-port ssh;
}
then accept;
}
Bedeutung:
Erlaube SSH-Verbindungen.
Die „from“-Klausel
Hier erfolgt die Paketanalyse.
Typische Kriterien:
- Source Address
- Destination Address
- Protocol
- Port
- ICMP-Typ
Source Address Match
Beispiel:
source-address {
10.0.0.0/8;
}
Der Filter trifft nur auf Pakete aus diesem Netz zu.
Destination Address Match
Beispiel:
destination-address {
192.168.10.0/24;
}
Nur Pakete zu diesem Ziel werden berücksichtigt.
Protocol Match
Typische Werte:
tcp
udp
icmp
ospf
Beispiel:
protocol icmp
Matcht ICMP-Verkehr.
Port Match
Besonders häufig in Prüfungsfragen.
Beispiel:
destination-port ssh
entspricht:
22
Weitere Klassiker:
| Dienst | Port |
|---|---|
| SSH | 22 |
| Telnet | 23 |
| HTTP | 80 |
| HTTPS | 443 |
| DNS | 53 |
Die „then“-Klausel
Hier wird definiert:
Was soll mit dem Paket passieren?
Die wichtigsten Aktionen:
accept
discard
reject
Accept
then accept
Das Paket darf passieren.
Discard
then discard
Das Paket wird still verworfen.
Der Sender erhält keine Antwort.
Reject
then reject
Das Paket wird verworfen.
Zusätzlich wird eine Fehlermeldung erzeugt.
Typischerweise:
ICMP unreachable
Unterschied zwischen Discard und Reject
Ein beliebtes JNCIS-Thema.
Discard:
Paket verschwindet
Reject:
Paket verschwindet
+
Benachrichtigung
First Match Prinzip
Wie bei Routing Policies gilt:
Erster Treffer gewinnt
Beispiel:
Term 1
Match
↓
Aktion
↓
Ende
Alle nachfolgenden Terms werden ignoriert.
Reihenfolge ist entscheidend
Betrachten wir:
Term 1:
accept all
Term 2:
discard telnet
Was passiert?
Antwort:
Telnet wird erlaubt
Warum?
Term 2 wird nie erreicht.
Dies ist eine klassische Prüfungsfalle.
Implizites Verhalten
Viele Kandidaten übersehen eine wichtige Regel.
Wenn kein Term passt:
implizites discard
Das Paket wird verworfen.
Deshalb enthalten viele produktive Filter explizit:
term ALLOW-REST {
then accept;
}
oder:
term DENY-ALL {
then discard;
}
Management Protection
Ein typischer Anwendungsfall.
Administrativer Zugriff nur von:
10.10.10.0/24
erlauben.
SSH:
accept
alle anderen Quellen:
discard
Dadurch wird die Routerverwaltung geschützt.
Infrastruktur-Schutz
Viele Provider schützen ihre Router vor:
- Telnet
- unnötigem ICMP
- unerwünschten Management-Protokollen
Firewall Filter bilden dabei die erste Verteidigungslinie.
Traffic Classification
Firewall Filter dienen nicht nur dem Blockieren.
Sie können auch Pakete markieren.
Beispiel:
Voice Traffic
erkennen.
Danach:
QoS-Klasse setzen
Dies wird später bei CoS/QoS wichtig.
Counter
Ein sehr hilfreiches Feature.
Beispiel:
then {
count SSH-HITS;
accept;
}
Der Router zählt passende Pakete.
Ideal für:
- Troubleshooting
- Monitoring
- Validierung
Logging
Ebenfalls häufig genutzt.
Beispiel:
then {
log;
discard;
}
Der Treffer wird protokolliert.
Praxisbeispiel
Ziel:
- SSH erlauben
- OSPF erlauben
- alles andere blockieren
Logik:
Term 1
SSH → accept
Term 2
OSPF → accept
Term 3
Alles → discard
Dieses Muster findet sich in zahllosen Enterprise-Netzen.
Wichtige Junos-Kommandos
Filter anzeigen:
show configuration firewall
Interface-Zuordnung:
show configuration interfaces
Counter anzeigen:
show firewall
Detaillierte Statistik:
show firewall filter
Interfaces prüfen:
show interfaces terse
Typische JNCIS-ENT Prüfungsfallen
Falle 1
Firewall Filter mit Security Policies verwechseln.
Falle 2
Reject und Discard verwechseln.
Falle 3
First Match ignorieren.
Falle 4
Term-Reihenfolge falsch interpretieren.
Falle 5
Vergessen, dass viele Filter implizit verwerfen.
Falle 6
Input und Output Filter vertauschen.
Praxisbezug
Firewall Filter gehören zu den meistgenutzten Werkzeugen in Junos.
Sie werden eingesetzt für:
- Router-Härtung
- Infrastruktur-Schutz
- QoS-Klassifizierung
- Management-Zugriffe
- Traffic-Analyse
Auch in Umgebungen mit dedizierten Firewalls bleiben Firewall Filter ein wichtiger Bestandteil der Netzwerksicherheit.
Deshalb tauchen sie regelmäßig in Enterprise-Zertifizierungen auf.
Fazit
Firewall Filter ermöglichen die paketbasierte Kontrolle des Netzwerkverkehrs direkt auf dem Router.
Sie arbeiten stateless, effizient und folgen einem klaren Regelwerk aus:
- Terms
- Match-Kriterien
- Aktionen
Für die JNCIS-ENT solltest du insbesondere verstehen:
- den Aufbau eines Filters,
- die Funktion von Terms,
- das First-Match-Prinzip,
- den Unterschied zwischen Accept, Discard und Reject,
- sowie die Rolle von Input- und Output-Filtern.
Diese Grundlagen bilden die Basis für viele Security- und Troubleshooting-Fragen in der Prüfung.
JNCIS-ENT Prüfungsstrategie
Wenn du einen Firewall Filter in einer Prüfungsfrage analysierst:
- Lies die Terms von oben nach unten.
- Suche den ersten Match.
- Führe die Aktion aus.
- Stoppe die Verarbeitung.
- Prüfe, ob ein impliziter Discard greift.
Mit dieser Methode lassen sich die meisten Filter-Fragen zuverlässig lösen.