MeshCore-Companion im Alltag: So funktioniert die Bedienung der App
22.07.2026 6 Min. Lesezeit
Ist ein Companion einmal geflasht, konfiguriert und mit der App verbunden, beginnt die eigentliche Nutzung. Genau an dieser Stelle stolpern viele Einsteiger allerdings über ein Verhalten, das sich fundamental von dem unterscheidet, was man aus klassischen Messengern oder auch aus anderen Mesh-Projekten kennt: Ein frisch eingerichteter Companion zeigt zunächst eine komplett leere Kontaktliste – und das ist kein Fehler, sondern Absicht. Dieser Artikel erklärt, wie Kontakte in MeshCore tatsächlich entstehen, wie Direktnachrichten und der öffentliche Kanal funktionieren, wie Standortfreigabe und Kartenansicht arbeiten und worauf man im praktischen Betrieb unterwegs achten sollte.
Warum die Kontaktliste anfangs leer ist
MeshCore kennt kein automatisches, fortlaufendes “Ich bin hier”-Signal, wie man es etwa von Meshtastic gewohnt sein könnte. Stattdessen müssen sich Nodes gegenseitig aktiv bekannt machen, bevor eine direkte, verschlüsselte Kommunikation zwischen ihnen möglich ist. Dieser Vorgang heißt in MeshCore Advert (von “advertise”, sich ankündigen): Ein Node sendet dabei seinen Namen, optional seinen Standort sowie seinen öffentlichen Schlüssel über LoRa aus – signiert, damit sich die Angaben nicht fälschen lassen. Andere Geräte, die diesen Advert empfangen, tragen den Absender daraufhin automatisch in ihre eigene Kontaktliste ein.
Entscheidend dabei: Ein Advert muss von beiden Seiten gesendet worden sein, bevor eine wechselseitige Direktkommunikation zuverlässig funktioniert. Hat Person A Person B in der Kontaktliste, aber Person B hat den Advert von Person A noch nicht empfangen, kennt B den öffentlichen Schlüssel von A schlicht noch nicht – die Verbindung ist zu diesem Zeitpunkt nur einseitig hergestellt. In der Praxis bedeutet das für ein Erstkennenlernen zwischen zwei neuen Geräten: Beide Seiten sollten einmal aktiv einen Advert auslösen, dann tauchen sie gegenseitig in der Kontaktliste auf und können sich Nachrichten schreiben.
Die App bietet dafür meist zwei Varianten an:
- Zero-Hop-Advert: Wird nur an Geräte gesendet, die das eigene Gerät direkt (ohne Umweg über Repeater) hören können. Repeater leiten einen Zero-Hop-Advert nicht weiter. Diese Variante eignet sich, um sich gezielt mit jemandem in unmittelbarer Nähe bekannt zu machen oder die direkte Reichweite zu testen.
- Flood-Advert: Wird zusätzlich von allen erreichbaren Repeatern aufgenommen und weiterverbreitet, sodass auch Nodes mehrere Funksprünge entfernt vom eigenen Advert erfahren. Diese Variante eignet sich, um sich im gesamten erreichbaren Netz bekannt zu machen, erzeugt dafür aber spürbar mehr Funkverkehr als ein Zero-Hop-Advert.
Companions senden Adverts standardmäßig nur, wenn man sie manuell auslöst – anders als Repeater, die üblicherweise automatisch alle zwölf Stunden einen Flood-Advert versenden, damit sie im Netz dauerhaft auffindbar bleiben. Wer also nach dem Ersteinrichten wenig oder gar keine anderen Nodes sieht, hat in aller Regel schlicht noch keinen eigenen Advert gesendet – oder es befindet sich aktuell niemand in Reichweite.
Direktnachrichten und Verschlüsselung
Sobald zwei Nodes sich gegenseitig über Adverts kennengelernt haben, lassen sich zwischen ihnen Direktnachrichten (DMs) austauschen. Diese werden Ende-zu-Ende-verschlüsselt übertragen: Nur Absender und Empfänger können den Inhalt lesen, selbst wenn die Nachricht unterwegs über mehrere Repeater läuft. Das gilt auch dann, wenn zwischen den beiden Geräten kein direkter Funkkontakt mehr besteht, sondern die Nachricht über einen mehrstufigen Pfad durch das Netz geleitet werden muss.
Für die Wegfindung merkt sich ein Companion in der Regel den zuletzt erfolgreichen Pfad zu einem Kontakt – über welche Repeater eine Nachricht zuletzt zugestellt wurde. Ändert sich diese Situation, etwa weil ein bislang genutzter Repeater nicht mehr erreichbar ist oder sich einer der beiden Kommunikationspartner bewegt hat, schlägt die Zustellung über den bekannten Pfad zunächst fehl. Nach mehreren erfolglosen Versuchen wechselt die App automatisch dazu, die Nachricht stattdessen als Flood zu versenden, um einen neuen funktionierenden Pfad zu finden – dieses automatische Zurücksetzen lässt sich bei Bedarf auch in den Einstellungen deaktivieren.
In der Kontaktliste selbst zeigt die App neben dem Namen meist zusätzliche Informationen an: ob eine Verbindung aktuell direkt oder über eine bestimmte Anzahl an Zwischenstationen läuft, wann ein Kontakt zuletzt gesehen wurde (also zuletzt einen Advert gesendet oder eine Nachricht geschickt hat), und ob ungelesene Nachrichten vorliegen.
Der öffentliche Kanal
Neben Direktnachrichten gibt es in MeshCore von Anfang an einen öffentlichen Kanal (häufig “Public” oder “All” genannt), dem jedes frisch eingerichtete Gerät automatisch angehört. Nachrichten in diesem Kanal sind – anders als Direktnachrichten – nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt und können grundsätzlich von jedem gelesen werden, der auf demselben Regions-Preset funkt und sich in Reichweite befindet oder über Repeater erreicht wird.
Der öffentliche Kanal eignet sich damit gut, um die eigene Einrichtung zu testen, sich in einer neuen Umgebung grob bemerkbar zu machen oder allgemeine, nicht vertrauliche Informationen mit allen im Netz zu teilen. Für tatsächlich private Konversationen sind dagegen ausschließlich Direktnachrichten oder private, verschlüsselte Channels geeignet, die Gegenstand eines eigenen, späteren Artikels dieser Reihe sind.
Standortfreigabe und Kartenansicht
Wer beim Advert die eigene Position mitsendet, taucht bei Kontakten, die diesen Advert empfangen, auch mit Standort auf – praktisch etwa, um in einer Gruppe grob zu sehen, wo sich alle gerade befinden, oder um die Reichweite eigener Geräte im Gelände einzuschätzen. Diese Standortfreigabe ist optional und sollte bewusst gesetzt werden: Wer sie nicht möchte, lässt das entsprechende Feld beim Advert einfach leer, ohne dass das die übrige Funktion beeinträchtigt.
Zusätzlich bieten viele MeshCore-Apps eine Anbindung an eine öffentliche Übersichtskarte, auf der Nutzer ihre Companions, Repeater und Room Server freiwillig sichtbar machen können. Diese Anzeige erfolgt nicht automatisch, sondern muss aktiv angestoßen werden – etwa über eine Funktion, mit der ein Gerät oder ein Kontakt gezielt zur Karte hinzugefügt wird. Für Repeater und Room Server, deren Zweck es ohnehin ist, im Netz auffindbar zu sein, ist eine solche Veröffentlichung meist sinnvoll; für den eigenen mobilen Companion ist es dagegen eine bewusste Abwägung zwischen Auffindbarkeit und Privatsphäre.
Praktische Tipps für die Nutzung unterwegs
Ein paar Erfahrungswerte erleichtern den Alltag mit einem mobilen Companion spürbar:
- Akkulaufzeit im Blick behalten. Viele gängige LoRa-Boards laufen im reinen Companion-Betrieb – abhängig von Displayaktivität, GPS-Nutzung und wie oft aktiv gesendet wird – über mehrere Tage, deutlich kürzer allerdings, wenn ein Display dauerhaft aktiv bleibt oder häufig Flood-Adverts ausgelöst werden. Wer ein Gerät länger unterwegs nutzen möchte, profitiert von einer Powerbank als Reserve.
- Reichweite realistisch einschätzen. LoRa überträgt zwar über beeindruckende Distanzen, ist dabei aber stark von freier Sicht abhängig. Bebauung, dichter Wald oder Geländeformationen wie Hügel und Täler verringern die Reichweite erheblich gegenüber offenem Gelände. Für erste Tests eignet sich daher am besten eine Umgebung mit möglichst freier Sichtlinie.
- Erst zero-hop, dann flood. Beim Kennenlernen neuer, nahe gelegener Kontakte empfiehlt sich zunächst ein Zero-Hop-Advert – reicht der nicht aus, kann ein Flood-Advert die Reichweite über vorhandene Repeater erweitern, sollte aber nicht übermäßig häufig ausgelöst werden, um unnötigen Funkverkehr im gemeinsam genutzten Frequenzband zu vermeiden.
- Keine Sorge bei anfänglicher Stille. Eine leere Kontaktliste oder eine unbeantwortete erste Nachricht bedeutet in den meisten Fällen nicht, dass etwas falsch eingerichtet ist, sondern schlicht, dass noch kein gegenseitiger Advert stattgefunden hat oder sich aktuell niemand in Reichweite befindet.
Das Wichtigste in Kürze
MeshCore baut Kontakte nicht automatisch auf, sondern über einen bewussten Vorgang namens Advert, bei dem ein Node Name, optional Standort und öffentlichen Schlüssel aussendet – wahlweise als Zero-Hop-Advert nur in unmittelbare Nähe oder als Flood-Advert über Repeater ins gesamte erreichbare Netz. Erst wenn sich zwei Geräte gegenseitig auf diese Weise bekannt gemacht haben, funktionieren zwischen ihnen Ende-zu-Ende-verschlüsselte Direktnachrichten zuverlässig. Daneben steht von Anfang an ein unverschlüsselter, öffentlicher Kanal für allgemeine Nachrichten zur Verfügung, und wer möchte, kann seinen Standort beim Advert freigeben und Geräte auf einer öffentlichen Karte sichtbar machen – beides bewusst optional statt automatisch.