Routing Grundlagen - Wie Router Entscheidungen treffen

13.08.2026 4 Min. Lesezeit

Einleitung

Bisher haben wir uns mit Layer-2-Technologien beschäftigt:

  • Ethernet
  • Switching
  • VLANs
  • Trunking
  • STP
  • Layer-2 Security

Diese Technologien ermöglichen die Kommunikation innerhalb eines lokalen Netzwerks.

Sobald Daten jedoch zwischen verschiedenen Netzwerken ausgetauscht werden sollen, kommt Routing ins Spiel.

Routing ist einer der zentralen Themenblöcke der JNCIS-ENT-Prüfung und bildet die Grundlage für spätere Themen wie:

  • Statische Routen
  • OSPF
  • IS-IS
  • BGP

Bevor wir Routing-Protokolle betrachten, müssen wir verstehen, wie Router überhaupt Entscheidungen treffen.

JNCIS-ENT Prüfungsrelevanz

Für die Prüfung solltest du folgende Konzepte sicher beherrschen:

  • Routing vs. Switching
  • Routing Table
  • RIB
  • FIB
  • Direct Routes
  • Local Routes
  • Static Routes
  • Route Preference
  • Longest Prefix Match
  • Routing Lookup Prozess

Viele Prüfungsfragen zeigen einen Routing-Table-Ausschnitt und fragen:

Welchen Weg wird der Router wählen?

Switching vs. Routing

Der wichtigste Unterschied:

SwitchingRouting
Layer 2Layer 3
MAC-AdresseIP-Adresse
Ethernet FramesIP-Pakete
Lokales NetzwerkMehrere Netzwerke

Beispiel

Host A:

192.168.10.10/24

Host B:

192.168.10.20/24

Kommunikation:

Direkt über Layer 2

Host C:

192.168.20.10/24

Kommunikation:

Über einen Router

Die Aufgabe eines Routers

Ein Router beantwortet eine einfache Frage:

Über welches Interface soll dieses Paket weitergeleitet werden?

Dafür nutzt er seine Routing-Tabelle.

Die Routing-Tabelle

Die Routing-Tabelle enthält bekannte Netzwerke.

Beispiel:

192.168.10.0/24 → ge-0/0/0
192.168.20.0/24 → ge-0/0/1
0.0.0.0/0 → ge-0/0/2

Bedeutung:

NetzwerkAusgang
192.168.10.0/24ge-0/0/0
192.168.20.0/24ge-0/0/1
Standardroutege-0/0/2

JNCIS-ENT Merksatz

Router treffen Entscheidungen ausschließlich anhand ihrer Routing-Tabelle.

Der Routing Lookup Prozess

Angenommen ein Paket soll erreichen:

192.168.20.55

Der Router durchsucht seine Routing-Tabelle.

Er findet:

192.168.20.0/24

Das Paket wird über:

ge-0/0/1

weitergeleitet.

Longest Prefix Match

Dies ist eines der wichtigsten Prüfungs-Themen.

Router wählen nicht einfach die erste passende Route.

Sie wählen die:

Spezifischste Route

Beispiel

Routing-Tabelle:

10.0.0.0/8

10.10.0.0/16

10.10.10.0/24

Ziel:

10.10.10.5

Welche Route gewinnt?

Antwort:

10.10.10.0/24

Warum?

Das Präfix ist am längsten.

Prüfungstipp

Merke:

Longest Prefix Match schlägt alles andere.

Selbst wenn eine andere Route eine bessere Preference besitzt.

Direct Routes

Direct Routes entstehen automatisch.

Beispiel:

Interface:

irb.10
192.168.10.1/24

Junos erzeugt automatisch:

192.168.10.0/24

Routing-Tabelle:

Direct
192.168.10.0/24

Local Routes

Zusätzlich erzeugt Junos:

192.168.10.1/32

Diese Route repräsentiert die eigene Adresse des Routers.

Beispiel

Direct:
192.168.10.0/24

Local:
192.168.10.1/32

JNCIS-ENT Prüfungsfrage

Warum erscheinen zwei Einträge?

Antwort:

Direct Route
+
Local Route

RIB und FIB

Eines der beliebtesten Juniper-Themen.

RIB

Routing Information Base

Die RIB enthält:

  • alle bekannten Routen
  • Routing-Protokolle
  • statische Routen
  • direkte Routen

In Junos:

inet.0

Anzeigen:

show route

FIB

Forwarding Information Base

Die FIB enthält:

  • die tatsächlich verwendeten Routen
  • optimierte Weiterleitungsinformationen

Sie wird von der Hardware genutzt.

Anzeigen:

show route forwarding-table

JNCIS-ENT Merksatz

RIB entscheidet.

FIB leitet weiter.

Route Preference

Was passiert, wenn mehrere Routen zum selben Ziel existieren?

Dann verwendet Junos die Route Preference.

Beispiel

Gleiche Route bekannt über:

  • OSPF
  • Static Route

Welche gewinnt?

Antwort:

Die Route mit der niedrigsten Preference.

Typische Werte:

RoutePreference
Direct0
Static5
OSPF Internal10
IS-IS Level 115
RIP100

Wichtig

Niedriger Wert = besser.

Viele Kandidaten machen hier Fehler.

Standardroute

Die berühmte:

0.0.0.0/0

Bedeutung:

Wenn keine spezifischere Route existiert,
verwende diese Route.

Beispiel:

set routing-options static route 0.0.0.0/0 next-hop 192.168.1.1

Typischer Einsatz:

  • Internet-Uplink
  • WAN-Anbindung

Routing-Tabelle lesen (Prüfungsstil)

Beispiel:

inet.0

192.168.10.0/24 Direct
192.168.20.0/24 Direct

10.10.10.0/24 Static

0.0.0.0/0 Static

Frage:

Wie wird ein Paket zu:

10.10.10.5

weitergeleitet?

Antwort:

10.10.10.0/24

Frage:

Wie wird ein Paket zu:

8.8.8.8

weitergeleitet?

Antwort:

0.0.0.0/0

Wichtige Junos Befehle

Routing-Tabelle:

show route

Spezifische Route:

show route 192.168.10.0/24

Forwarding-Tabelle:

show route forwarding-table

Interfaces:

show interfaces terse

Typische JNCIS-ENT Prüfungsfallen

Falle 1

Longest Prefix Match wird vergessen.

Falle 2

Preference falsch interpretiert.

Viele denken:

100 > 10

also besser.

Falsch.

Niedrigere Preference gewinnt.

Falle 3

Direct Route und Local Route werden verwechselt.

Falle 4

RIB und FIB werden als identisch angesehen.

Troubleshooting

Wenn Routing nicht funktioniert:

Prüfen:

show route

Existiert die Route?

Ist der Next Hop erreichbar?

Ist die Route aktiv?

Existiert eine spezifischere Route?

Zusammenfassung

Routing ermöglicht die Kommunikation zwischen verschiedenen Netzwerken und basiert auf Entscheidungen anhand der Routing-Tabelle.

Für die JNCIS-ENT-Prüfung solltest du insbesondere verstehen:

  • Routing Table
  • Longest Prefix Match
  • Direct Routes
  • Local Routes
  • Standardroute
  • Route Preference
  • RIB vs. FIB
  • Routing Lookup Prozess

Diese Konzepte bilden die Grundlage für alle dynamischen Routing-Protokolle.