Spanning Tree Protocol (STP)
08.08.2026 Zuletzt aktualisiert: 20.08.2026 5 Min. Lesezeit
Einleitung
In Unternehmensnetzwerken werden häufig redundante Verbindungen eingesetzt. Fällt ein Link oder ein Switch aus, soll der Datenverkehr automatisch über einen alternativen Pfad weiterlaufen.
Auf Layer 3 ist Redundanz vergleichsweise einfach umzusetzen. Auf Layer 2 führt Redundanz jedoch zu einem ernsthaften Problem:
Switches können Schleifen (Loops) erzeugen.
Ohne geeignete Schutzmechanismen können solche Schleifen innerhalb weniger Sekunden ein gesamtes Netzwerk lahmlegen.
Genau aus diesem Grund wurde das Spanning Tree Protocol (STP) entwickelt.
Für die JNCIS-ENT-Prüfung gehört STP zu den wichtigsten Themen überhaupt. Viele Prüfungsfragen behandeln die Root-Bridge-Wahl, Port-Rollen und die Auswirkungen redundanter Verbindungen.
JNCIS-ENT Prüfungsrelevanz
Für die Prüfung solltest du folgende Konzepte sicher beherrschen:
- Warum Layer-2-Loops gefährlich sind
- Broadcast Storms
- MAC Table Instability
- Root Bridge Election
- Bridge ID
- Port Roles
- Port States
- STP-Grundprinzipien
- Unterschiede zwischen STP und RSTP
Viele Fragen enthalten Netzwerkdiagramme, bei denen du bestimmen musst:
- Welcher Switch Root Bridge wird
- Welche Ports blockiert werden
- Welcher Pfad aktiv genutzt wird
Warum sind Layer-2-Loops gefährlich?
Betrachten wir folgendes Netzwerk:
Switch A
/ \
/ \
Switch B ---- Switch C
Alle Verbindungen sind aktiv.
Aus Sicht eines Administrators wirkt das zunächst sinnvoll:
- Hohe Verfügbarkeit
- Mehrere Pfade
- Redundanz
Für Ethernet entsteht jedoch ein Problem:
Frames besitzen kein TTL-Feld wie IP-Pakete.
Ein Ethernet-Frame kann daher theoretisch unendlich im Netzwerk zirkulieren.
Broadcast Storms
Ein Host sendet einen Broadcast:
FF:FF:FF:FF:FF:FF
Switch A floodet den Frame.
Switch B empfängt ihn und sendet ihn weiter.
Switch C empfängt ihn ebenfalls und sendet ihn erneut weiter.
Der Broadcast vervielfältigt sich ständig.
Das Ergebnis:
- Extreme Netzwerklast
- Hohe CPU-Auslastung
- Überlastete Switches
- Nicht erreichbare Systeme
Dieser Effekt wird als Broadcast Storm bezeichnet.
MAC Table Instability
Ein weiteres Problem betrifft die MAC-Adress-Tabelle.
Beispiel:
Der Switch lernt:
00:11:22:33:44:55 → Port 1
Kurz darauf erscheint dieselbe MAC-Adresse über einen anderen Pfad:
00:11:22:33:44:55 → Port 2
Die MAC-Tabelle beginnt ständig zu wechseln.
Dieses Verhalten nennt man:
MAC Flapping
Auch dies ist ein klassischer Hinweis auf Layer-2-Loops.
Die Lösung: Spanning Tree Protocol
STP wurde entwickelt, um Layer-2-Schleifen zu verhindern.
Grundidee:
Nicht alle redundanten Links werden gleichzeitig verwendet.
Stattdessen:
- Ein Pfad bleibt aktiv
- Alternative Pfade werden blockiert
- Bei einem Ausfall werden blockierte Pfade aktiviert
Dadurch entsteht ein schleifenfreier Baum (Spanning Tree).
Die Root Bridge
Der erste Schritt von STP besteht darin, eine zentrale Referenz zu bestimmen:
Die Root Bridge.
Jeder Switch im Netzwerk vergleicht seine Bridge-ID mit den IDs anderer Switches.
Der Switch mit der niedrigsten Bridge-ID wird Root Bridge.
Aufbau der Bridge-ID
Eine Bridge-ID besteht aus:
Priority + MAC-Adresse
Beispiel:
32768:00:11:22:33:44:55
Verglichen wird zunächst die Priority.
Bei Gleichstand entscheidet die MAC-Adresse.
Beispiel Root-Bridge-Wahl
Switch A:
Priority 32768
MAC 00:11:11:11:11:11
Switch B:
Priority 32768
MAC 00:22:22:22:22:22
Switch C:
Priority 32768
MAC 00:33:33:33:33:33
Ergebnis:
Switch A
wird Root Bridge, da seine MAC-Adresse am niedrigsten ist.
Prüfungstipp
Merke dir:
Die niedrigste Bridge-ID gewinnt.
Viele JNCIS-ENT-Fragen prüfen genau dieses Prinzip.
Port-Kosten (Path Cost)
Nachdem die Root Bridge feststeht, berechnet jeder Switch den besten Weg zur Root Bridge.
Dazu verwendet STP sogenannte Path Costs.
Typische Werte:
| Geschwindigkeit | Cost |
|---|---|
| 10 Mbps | 100 |
| 100 Mbps | 19 |
| 1 Gbps | 4 |
| 10 Gbps | 2 |
Der Pfad mit den niedrigsten Gesamtkosten gewinnt.
Port-Rollen
STP weist jedem Port eine Rolle zu.
Diese Rollen sind besonders prüfungsrelevant.
Root Port
Jeder Nicht-Root-Switch besitzt genau einen Root Port.
Eigenschaften:
- Bester Pfad zur Root Bridge
- Immer Forwarding
Designated Port
Jedes Netzwerksegment besitzt einen Designated Port.
Eigenschaften:
- Verantwortlich für die Weiterleitung auf diesem Segment
- Forwarding
Non-Designated Port
Ports, die nicht benötigt werden.
Eigenschaften:
- Blockiert
- Verhindert Schleifen
Beispiel
Root Bridge
A
/ \
/ \
B-----C
Mögliche Rollen:
A → alle Ports Designated
B → Root Port Richtung A
C → Root Port Richtung A
Link B-C:
ein Port Designated
ein Port Blocking
Genau solche Diagramme tauchen häufig in der JNCIS-ENT auf.
Port States
Klassisches STP kennt mehrere Zustände.
Blocking
- Keine Datenweiterleitung
- Empfängt BPDUs
Listening
- Topologie wird analysiert
Learning
- MAC-Adressen werden gelernt
Forwarding
- Normaler Betrieb
Disabled
- Administrativ deaktiviert
BPDUs
Switches kommunizieren über sogenannte:
Bridge Protocol Data Units (BPDUs)
Diese Nachrichten enthalten unter anderem:
- Bridge-ID
- Root-Bridge-ID
- Path Cost
BPDUs ermöglichen die Root-Bridge-Wahl und die Berechnung des Spanning Trees.
Link-Ausfall
Fällt eine aktive Verbindung aus:
Switch A -----X----- Switch B
erkennt STP die Änderung.
Ein zuvor blockierter Port wird aktiviert.
Die Netzwerkverbindung bleibt erhalten.
Genau deshalb werden redundante Verbindungen überhaupt eingesetzt.
STP in Junos
Aktive STP-Protokolle anzeigen:
show spanning-tree bridge
Portstatus prüfen:
show spanning-tree interface
Detailinformationen anzeigen:
show spanning-tree statistics
Konfiguration anzeigen:
show configuration protocols rstp
Typische JNCIS-ENT Prüfungsfrage
Gegeben:
Switch A
Priority 4096
Switch B
Priority 32768
Switch C
Priority 32768
Frage:
Welcher Switch wird Root Bridge?
Antwort:
Switch A
Da die niedrigste Priority gewinnt.
Weitere typische Prüfungsfrage
Gegeben:
Switch A (Root)
B hat:
Port 1 Cost 4
Port 2 Cost 19
Frage:
Welcher Port wird Root Port?
Antwort:
Port 1
Da der Pfad die geringeren Gesamtkosten besitzt.
Troubleshooting-Hinweise
Wenn im Netzwerk folgende Symptome auftreten:
- Hohe CPU-Auslastung
- Broadcast Storms
- MAC Flapping
- Instabile Verbindungen
sollte immer geprüft werden:
show spanning-tree bridge
show spanning-tree interface
Sehr häufig liegt die Ursache in einer fehlerhaften Layer-2-Topologie.
Zusammenfassung
Das Spanning Tree Protocol schützt Ethernet-Netzwerke vor Layer-2-Schleifen und sorgt dafür, dass redundante Verbindungen sicher genutzt werden können.
Für die JNCIS-ENT-Prüfung solltest du insbesondere beherrschen:
- Root Bridge Election
- Bridge ID
- Path Costs
- Port Roles
- Port States
- Broadcast Storms
- MAC Flapping
- BPDUs
Diese Grundlagen bilden die Basis für das nächste Thema:
Rapid Spanning Tree Protocol (RSTP).