Weblog
FreePBX - Motivation
23.03.2025 5 Min. Lesezeit
FreePBX - Motivation
Vor einiger Zeit ist unsere FritzBox verstorben. Eine altersschwache 7390 - ich werde ihr keine Träne nachweinen und habe sie bereits mit großer Genugtuung beim nächstgelegenen Recyclinghof entsorgt. Was sie mir angetan hat, daß ich so schlecht über sie schreibe, fragst Du? Eigentlich nichts, alles was sie noch für mich tat, machte sie grundsätzlich gut, Ich mochte die eingeschränkte Funktionalität nur nie.
Im Vergleich zu den anderen Produkten die mir bisher in der Heimnetz-Klasse unter gekommen sind, ist AVM mit der FritzBox-Serie ganz weit vorne, allerdings arbeite ich beruflich mit professioneller Netzwerktechnik, das steigert den persönlichen Anspruch dann doch nachhaltig.
Meine 7390 hatte, seit dem ich ihr vor Jahren eine Juniper SRX und später einen SSR vorgesetzt hatte, nur noch den Job eines VoIP-Gateways. Drei generische DECT Telefone, ein SNOM Tischtelefon (das letzten Sommer verstorben ist), ein Fax Gerät - keine weitere Funktionalität. AVM hat ein solches Szenario dankbarerweise bereits vorgesehen und erlaubt es die FritzBox in einen reinen Client zu verwandeln. Die Box zieht sich dann per DHCP eine IP auf LAN1, ganz ohne PPPoE oder DOCSIS. Ebenfalls wird die NAT Funktionalität abgeschaltet und alle anderen LAN-Ports arbeiten als einfache Bridge. Sehr praktisch.
In der Tat so sehr praktisch, daß ich die FritzBox einige Jahre nicht angefasst hatte.
Eine Nachfolge muß her
Bis mir eben eines Tages der vermeindlich freie Switchport aufgefallen ist. Die FritzBox war aus und wollte nicht mehr starten. Marvis hat den Port daher ordnungsgemäß als “down” gemeldet, deutlich schneller als ich das ausgefallene Festnetz-Telefon bemerkt hätte.
Einen Ersatz, wieder in Form einer Fritzbox - ob neu oder gebraucht - habe ich fast sofort verworfen; wie oben bereits gesagt, wirklich glücklich war ich mit dem Ding nie. Außerdem stand zum damaligen Zeitpunkt noch ein Umzug im Raum. Bis zum Umzug kann ich mit einem Provisorium leben, aber nach dem Umzug mit einem Provisorium an den Start gehen ließ mein innerer Monk nicht zu, also habe ich mich nach alternativen Ansätzen umgesehen. Im Hinterkopf bleibt trotzdem: bis zum Umzug brauche ich ein Provisorium.
Ich sehe für eine Nachfolgerlösung drei relevante Punkte die es neben der eigentlichen Lösung zu bewerten gibt:
- schnurlose Telefone
- Tischtelefone
- das Fax Gerät
Eine gebrauchte TK-Anlage aus POTS oder ISDN Zeiten sowie einen Karton voll Endgeräte wäre grundsätzlich ein möglicher Ansatz, ich will allerdings auf die Flexibilität von VoIP hinaus - also doch etwas moderner Technik.
Außerdem hätte das vermutlich wieder DECT bedeutet - dazu aber gleich mehr.
Drei Typen Endgeräte
Tischtelefone sind einfach. Der Markt an refurbished Cisco IP-Telefonen ist fast unbegrenzt groß, ich habe für deutlich unter 100€ sämtliche Tischtelefone auf eBay geschossen. Sogar ein paar Spare-Geräte, für alle Fälle. Meiner Meinung nach sind die Cisco 79xx Modelle die begehrenswertesten Tischtelefone die je gebaut wurden. Wer das Vergnügen hatte solche Geräte zu benutzen, weiß wovon ich spreche.
Fax per POTS ist auch nicht wirklich eine Kunst, mit dem Cisco SPA112 z.B. geht Fax-over-VoIP recht zuverlässig. POTS Endgeräte in einer SIP-Anlage an den Start zu bekommen ist ein gelöstes Problem. Der erwähnte Umzug bringt mir einen weiteren POTS Teilnehmer: die Gegensprechanlage und Türklingel.
Für die mobilen Endgeräte habe ich mich für eine Wifi-basierte Lösung und damit gegen DECT entschieden. Ich hatte bereits ausreichend viele DECT-Repeater in meinem Leben, ich möchte mich nie wieder damit beschäftigen müssen. Meine Juniper Mist Wifi Installation kann die Telefonie ohne größere Probleme transportieren und bisher macht die Technik einen soliden Eindruck. Die Wahl fiel schlußendlich auf Geräte der Firma Grandstream.
Bleibt nur noch die “Zentrale”, die eigentliche Telefonanlage.
Zum Zeitpunkt der Recherche wurde regelmäßig auf die entsprechenden freien Home-Lizenzen von StarFace oder 3CX verwiesen. Eine Home-Lizenz - und damit wieder dem Goodwill eines Anbieters ausgeliefert sein - kommt für mich nicht mehr in Frage.
FreePBX
Schlußendlich bin ich bei FreePBX gelandet, was ganz wunderbar für uns auf einem Raspberry Pi 3B+ seinen Dienst tut. Upstream sind einige SIP-Konten der DTAG registriert, downstream sämtliche Endgeräte in meinem Voice-VLAN. Die Leistung des kleinen Pi reicht für uns vollkommen aus, perspektivisch werde ich den Dienst aus Gründen der Ausfallsicherheit trotzdem auf einen Hypervisor umziehen - nötig ist es nicht.
Die Janus-köpfigkeit dieser Wahl ist mir bewußt, FreePBX ist kein vollkommen freies Produkt, ich sehe allerdings für meinen Use-Case keine Einschränkung die mich stört oder behindert. Da ich allerdings mit meinem Setup nur am Rand des Möglichen kratze, welche Funktionalität wir wirklich nutzen zeigt sich zum Teil auch erst noch, bin ich zuversichtlich mir keine Form von Vendor-lock-in eingetreten zu haben.
Sollte (!) es jemals nötig sein FreePBX zu ersetzen, mit SIP-Endgeräten sehe ich die kommenden Jahre keine Probleme eine Alternative zu finden. Im Zweifel vanilla Asterisk oder welcher Software-Stack auch immer bis dahin die größte Beliebtheit genießt.
In den kommenden Wochen und Monaten werde ich mein Setup niederschreiben, zum Teil auch mit den Gedanken die ich mir dazu gemacht habe, als Herleitung. Ob meine Ansätze gut oder schlecht sind, wird die Zeit zeigen. Entscheide selbst, ob mein Ansatz für Dich funktionieren kann.
Teil-Aspekte werde ich erst nach dem Umzug dokumentieren, schlicht weil ich noch keinen definitiven Plan habe wie ich den ein oder anderen Teil des Setup realisieren will. Auf jeden Fall aber, will ich Dich als Leser in meine Überlegungen einbeziehen: warum ich diesen und nicht jeden Lösungsansatz gewählt habe, welche Gedanken ich mir zum Thema XYZ gemacht habe - derartiges.